Die rasche und ungezügelte Entwicklung der Ballungsgebiete ändert die Lebensweise ihrer Einwohner. Einerseits entstehen immer größere Glas- und Betonbauten, mehrstöckige Verkehrsadern, bequeme und schnelle Verkehrsmittel, andererseits jedoch werden die für den Bau von Park- und Grünanlagen bestimmten Flächen immer deutlicher begrenzt. Aus diesem Grund wollen so viele Menschen, von Zeit zu Zeit, die Annehmlichkeiten der Stadt hinter sich lassen und sich im Freien erholen.
Seit vielen Jahren suchen Stadtplaner, Architekten und Grünplaner nach neuen Lösungen, die das Leben in der Stadt menschenfreundlicher machen. Eine dieser Lösungen ist Begrünung der bisher toten Flächen, wie Hauswände und -dächer. Vorteile, die die Gründächer in unseren Städten mit sich bringen, sind seit langem bekannt:
:: sie mildern das Stadtklima, das sich in erheblichem Maße vom Klima der Nachbargebiete unterscheidet. Die Hausdächer und -wände sowie andere Oberflächen sind wärmespeichernd. Auf diese Art und Weise entsteht ein Phänomen der sog. „Wärmeinseln”, die die Steigerung der Lufttemperatur in den Ballungszentren im Durchschnitt um 1-2°C (in Extremfällen bis 10°C) und Senkung der Luftfeuchtigkeit verursachen. Die Pflanzendecke erzeugt inzwischen durch Verdampfung des angesammelten Wassers und Reflexion der Sonnenstrahlung an der Dachoberfläche eine Art „Luftpolster“ mit höherer Luftfeuchtigkeit und niedrigerer Temperatur (das mit einer Asphaltpappe gedeckte Dach erhitzt sich im Sommer auf 80-100°C, das Gründach nur auf 25-40°C). Darüber hinaus kann bereits 2 cm dicke Pflanzendecke etwa 50 - 60% der gesamten Menge des Niederschlagwassers speichern, das danach verdampft wird, wodurch die Luftfeuchtigkeit erhöht und die Stadtentwässerung entlastet wird. Die Gründächer reichern die Luft mit Sauerstoff an und verringern den CO2-Anteil. Ein Dach mit der Fläche von 15 m2 produziert jährlich Sauerstoff für 10 Personen. Gleichzeitig kann es 10 - 20% aller Stäube und Gase aus der Luft binden
:: sie verringern den Straßenlärm durch Reflexion und teilweise Absorption von etwa 20 - 30 dB.,
:: sie sind die zusätzliche Dachisolierung, garantieren sowohl Wärmedämmung als auch Schutz der Dachhaut vor Beschädigungen von außen (Dachabdeckung durch Sturm, Beschädigungen durch Vögel, Veränderungen unter dem Einfluss von Sonnenstrahlung usw.)
:: sie ermöglichen die durch Bebauung verlorene biologisch aktive Fläche wiederzugewinnen. Dies gibt wiederum die Möglichkeit, die kleinen Grundstücke in Stadtzentren voll auszunutzen, ohne dabei mit den lokalen Raumordnungsplänen in Konflikt zu geraten
:: darüber hinaus ist die Dach- und Fassadenbegrünung eines der Elemente der architektonischen Raumgestaltung. Sie ermöglicht, die Installationen, die sich auf dem Dach befinden, zu verdecken sowie homogene Gestaltung durch Komposition der Pflanzen, die ein Teil der Begrünung unterschiedlicher Flächen sind, also der Pflanzen in der Wohnung, auf der Terrasse, auf dem Dach und in der Nähe des Hauses, zu schaffen, sowie charakteristische pflanzliche Elemente, die die einzelnen Häuser von den anderen unterscheiden würden, zu gestalten
Einer der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhundert - Le Corbusier, der das Dach die "5. Fassade" nannte, schrieb folgendes über die Gründächer: "... Der Dachgarten wird zum beliebtesten Aufenthaltsraum der Hausbewohner, außerdem bedeutet er für die Stadt die Zurückerlangung der ganzen Fläche, die durch Bebauung verloren wurde.“ Er meinte, dass die Dachgärten dem Menschen die Natur näher bringen würden, und er machte ihren Bau zum Hauptpunkt in seinem Programm der neuen Architektur. Heutzutage, wenn wir immer mehr Häuser, Fabriken, Büros, Läden, Straßen und Parkplätze brauchen, gewinnt die Aussage von Le Corbusier besonders an Bedeutung. Die Ausnutzung neuer Plätze, wo die Grünflächen entstehen können, wird zur Notwendigkeit.
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